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7. Dezember 2017 Termin, KV Heilbronn

Buchvorstellung: "Im Licht der Geldströme"

Wir stellen das Buch des LINKE-Mitglieds Hans Oette "Im Licht der Geldströme" vor. Hans Oette bringt seine Gedanken näher und lässt Raum zur Diskussion. Alle Interessierten sind eingeladen: 19 Uhr im Regionalbüro DIE LINKE, Allee 40, 74072 Heilbronn.

Mehr zum Buch:

Einst war die soziale Marktwirtschaft das deutsche Erfolgsrezept. Da gaben die Unternehmen und Aktionäre einen angemessenen Teil ihrer Überschüsse über Steuern wieder ab. Das stärkte die Massenkaufkraft und die staatliche Nachfrage, was wiederum den Unternehmen zugute kam und eine Krise verhinderte. (Damit führte auch Präsident Roosevelt die USA aus der Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre.) Die Antithese dazu, die Überschüsse würden ja zu Investitionen und Wirtschaftswachstum, ist löchrig, da man die Überschüsse nur investiert, wenn die neu zu schaffenden Kapazitäten auch gebraucht werden. Zudem ist ewiges Wirtschaftswachstum nicht möglich.

Die Globalisierung entzog der sozialen Marktwirtschaft den Boden. Denn in Ländern mit niedrigen Steuern werden Überschüsse trotz zu niedriger Nachfrage investiert, weil man ja die überschüssige Produktion exportieren kann: In Länder, die höhere Steuern erheben, und deren Produkte dadurch nicht so konkurrenzfähig sind. Und in unterentwickelte Länder. Zudem können jetzt Unternehmen ihre Produktion oder ihren Sitz in Steueroasen verlagern, und Staaten mit angemessenen Steuersätzen werden durch Steuer- und Kapitalflucht bestraft.

Das gab dem liberalen Credo scheinbar Recht, Steuern seien Gift für die Wirtschaft. Es kam zu einem Steuersenkungs- Wettbewerb für Kapitalerträge und Konzerne. Damit wurden aber die Probleme nicht gelöst, sondern die wirtschaftlich stärkeren und unsozialeren Länder schoben sie in andere Länder ab. Es entstanden auch internationale Schuldentürme, die das Bankensystem bedrohen. Ein Zusammenbruch wird gegenwärtig nur mit Maßnahmen wie der Geldschwemme durch die EZB (die Europäische Zentralbank) verhindert.

Die Umwelt aber schlägt schon fast täglich irgendwo auf der Erde zurück. Sie wird zerstört, weil jedes Land die eigene Wirtschaft hätschelt, um ihre Konkurrenzfähigkeit zu steigern. Man ist in die Globalisierungsfalle getappt und hat einen Raubtierkapitalismus geschaffen. Die neoliberale Politik, die sich am Weltmarkt und an den internationalen Finanzmärkten orientiert, ist dabei, die Welt in den Abgrund zu stürzen.

Durchblick und Verantwortungsbewusstsein müssen an ihre Stelle treten. Wir benötigen so etwas wie eine globale soziale und ökologische Marktwirtschaft. Die bisher gescheiterte Finanztransaktionssteuer wäre ein Schritt in diese Richtung. Ländergemeinschaften wie die EU sollten unter sich Regeln für fairen Handel und fairen Kapitalverkehr einführen. Wirtschaftliche Großmächte wie Deutschland könnten ohne Schaden vorangehen und erst einmal darauf verzichten, die Marktmechanismen rigoros (zu Gunsten einer Minderheit im Land) auszunützen. Geschädigte Länder können durch Außenhandelsschranken und Kapitalverkehrskontrollen dem Despotismus der Märkte tschüs sagen.

Das Versagen der Politik rührt nicht zuletzt daher, dass sie sich an einem antiquierten Stand der Wirtschaftswissenschaft orientiert. Und an den Forderungen von Wirtschaftsbossen, die die dringend benötigten Arbeitsplätze zur Verfügung stellen. Doch Brüderlichkeit und Verantwortlichkeit gegenüber der Schöpfung und den kommenden Generationen müssen der Lobbykratie ein Ende setzen. Und es müssen fest verwurzelte Irrtümer beseitigt werden, wie einst der, die Erde wäre eine Scheibe. Ein besseres Verständnis des ’Wirtschaftsmotors’ ermöglicht das folgende Bild aus meinem Buch 'Im Licht der Geldströme', erschienen im Mai 2017 im Verrai-Verlag (273 Seiten, € 15,90). Es zeigt die Geldströme / Verschuldungsströme in einer modernen Volkswirtschaft.

Eine der Innovationen ist das Aggregat ‚Reiche’, denen der Produktionsapparat gehört, und denen neben Arbeitseinkommen auch die Vermögenseinkommen zufließen. Die Größe der Geldströme kann man der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung entnehmen. Man sieht in dem Bild, dass die Überschüsse der Reichen zu Investitionen werden können. Sie können aber auch die Staatsverschuldung finanzieren und können (über Buchungen) den Importüberschuss des Auslands finanzieren, was zu dessen Verschuldung führt. Und sie können die Volkswirtschaft verlassen (in das Aggregat 'Geldvorräte' entweichen). Darunter fällt die Möglichkeit, auf die internationalen Finanzmärkte zu entweichen. Oben im Bild, scheinbar außerhalb, ist die im System befindliche Geldmenge M1, die sich aus verschiedenen Gründen vergrößern und verkleinern kann.

In den USA fiel die Lohnquote zwischen 1980 und 2016 von 62 auf 57 Prozent, in Deutschland sogar von 64 auf 56 Prozent,.laut dem hervorragenden Vortrag von Hans-Jürgen Jakobs ‚Wem gehört die Welt?’ aus der SWR- Sendung Tele-Akademie (So. 19.11. 2017, 7.30 h, 45 min), zu sehen unter www.swrmediathek.de/player.htm?show=85059670-cdda-11e7-ab55-005056a10824 . Grob gesprochen: Die arbeitslosen Einkommen von Wenigen werden bald die Arbeitseinkommen aller übrigen Menschen übersteigen. Der Unterschied ist, dass das arbeitslose Einkommen die Wenigen immer reicher und mächtiger macht, während die Andern ihr Einkommen für ihren Konsum wieder ausgeben müssen, sofern sie überhaupt eines haben. Weltweite Unzufriedenheit und Destabilisierung der politischen Verhältnisse, auch in Deutschland, ist eine der verhängnisvollen Folgen davon.

Die Titanic ging unter, weil sie einen verhängnisvollen Kurs steuerte. Es ist notwendig, dass immer mehr Menschen die Gefahr erkennen, sich um die Politik kümmern und eine Umkehr fordern.

  -> -> Also wer Lust auf Bildung hat, kommt vorbei!