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Meldungen & Presse

26. Februar 2018 Meldung

300 Menschen setzen nach dem rassistischen Messerangriff ein Zeichen

Knapp 300 Menschen kamen am Abend des 23. Februar 2018 auf dem Heilbronner Marktplatz zusammen, um mit einer Mahnwache gegen rechte Gewalt zu protestieren. Hintergrund war der rassistisch motivierte Angriff eines 70-jährigen Mannes mit einem Messer auf drei Geflüchtete, die sich am 17. Februar 2018 vor der Heilbronner Kilianskirche aufgehalten hatten. Ein 17-Jähriger aus Afghanistan erlitt dabei eine schwere Verletzung und musste mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden. Ein Syrer und ein Iraker wurden leicht verletzt. Dieser Fall hat durch seine Brutalität und aufgrund der zunächst nur wegen gefährlicher Körperverletzung geführten Ermittlungen der Heilbronner Polizei bundesweit Aufsehen erregt. Inzwischen sitzt der mutmaßliche Täter wegen Mordversuchs in Haft. Nachdem Polizei und Staatsanwaltschaft anfangs mitteilten, der Messerstecher habe mit seiner Tat „ein Zeichen gegen die aktuelle Flüchtlingspolitik setzen wollen“, erklärten die Behörden nach anhaltendem öffentlichen Druck, dass es sich um eine Attacke mit rassistischem Hintergrund handelte.

In Redebeiträgen von Josip Juratovic (Bundestagsabgeordneter der SPD Heilbronn), Hans-Jörg Eiding (Pfarrer der Kiliansgemeinde), Marianne Kugler-Wendt (Stadträtin der SPD und Geschäftsführerin von ver.di Heilbronn-Neckar-Franken) und Stefan Reiner (Netzwerk gegen Rechts Heilbronn) wurde noch einmal auf die rassistisch aufgeladene Stimmung im Vorfeld der Tat hingewiesen. Verschiedene Seiten hatten Berichte über eine angebliche offene Drogenszene am Marktplatz dazu genutzt, um Stimmung gegen Geflüchtete zu machen. „Es war eine Katastrophe mit Ansage“, rief Josip Juratovic den Teilnehmerinnen und Teilnehmern entgegen.

Die Redner*innen waren sich einig, dass es jetzt dringend notwendig sei, gemeinsam in Heilbronn die Stimme gegen rechte Gewalt und Rassismus zu erheben. So eine Tat dürfe sich nicht wiederholen.
Einige wenige Angehörige der lokalen rechtsextremen Szene standen zeitweise am Rande. Sie trauten sich aber nicht, ihre mitgebrachten Schilder zum Einsatz zu bringen, so dass es zu keinen Störungen kam.
Die Mahnwache gegen rechte Gewalt war ein wichtiges erstes Zeichen als Reaktion auf den Angriff. Doch damit ist es nicht getan. Es gilt jetzt in Heilbronn ein großes Problem zu lösen und das Problem heißt Rassismus.

Text vom Netzwerk gegen Rechts www.ngr-heilbronn.org