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Meldungen & Presse

6. März 2018 Termin, Meldung, KV Heilbronn

LINKE zum Frauentag: Inhalt und Blumen

DIE LINKE verteilt am 8.3. Blumen in der Heilbronner Innenstadt an Verkäuferinnen und Passantinnen. Grund dafür ist der Internationale Frauentag. Bereits vergangene Woche gab es eine Veranstaltung zu Frauenrechten, bei dem Kreisvorstandsmitglied Kerstin Steiner einen Vortrag zum Thema hielt (Auszüge siehe weiter unten). Kreisrat Johannes Müllerschön zeigte das Bemühen eine Frauenbeauftragte im Landkreis im Kreistag durchzusetzen.

Hier die Mitteilung zum Infostand:

LINKE zum Frauentag in der City - Der Kreisverband DIE LINKE Heilbronn-Unterland wird am kommenden Donnerstag von 16-18 Uhr einen Infostand am Kiliansplatz aufbauen. Neben Informationen zur Bedeutung des Frauentags in unserer Gesellschaft wird es auch einen kleinen Blumengruß geben. Wie in jedem Jahr werden auch Einzelhandelsläden besucht, um den Verkäuferinnen ein kleines Dankeschön zu überreichen. Die Botschaft dahinter: Nur wer sich gemeinsam wehrt, wird zukünftig prekäre Beschäftigung, zu geringe Entlohnung und Altersarmut verhindern. Denn immernoch gilt, unsichere Arbeitsverhältnisse und Niedriglöhne ist oftmals ein besonderes Problem von sogenanten "Frauenberufen" wie Erziehung oder Pflege.

Hier der Auszug aus dem Vortrag von Kerstin Steiner:

 Trotz unterschiedlicher Organisationsformen und gesamtgesellschaftlicher Zielsetzungen (die hier nicht noch einmal beschrieben zu werden brauchen) lassen sich Parallelen und Ähnlichkeiten zwischen der bürgerlichen und proletarischen Richtung der deutschen Frauenbewegung feststellen: Die Führerinnen der bürgerlichen und der proletarischen Frauenbewegung kamen größtenteils aus dem Bürgertum, also kaum aus der Arbeiterschicht, dem Großgrundbesitztum oder dem Adel. 1) Die meisten von ihnen hatten eine Lehrerinnenausbildung absolviert (Clara Zetkin, Auguste Schmidt, Helene Lange, Gertrud Bäumer, Hedwig Dohm). 2) Die beiden Gründerinnen (Louise Otto-Peters und Clara Zetkin) 3) waren an den politischen Fragen und Auseinandersetzungen jener Zeit besonders interessiert, und indem sie sich für bestimmte gesamtgesellschaftliche Veränderungen einsetzten, wurde ihnen die große Diskrepanz zwischen dem, was sie forderten, und der tatsächlichen Lage der weiblichen Bevölkerung offenkundig. Ebenso wurden sie nicht nur wie die ihnen gleichgesinnten Männer in ihren politischen Aktivitäten behindert, sondern diese wurden ihnen noch besonders erschwert, allein dadurch, daß sie Frauen waren (z.B. öffentliches Redeverbot, lange Zeit keine Versammlungsfreiheit, Lächerlichmachung durch Gegner).

Die bürgerliche und die proletarische Frauenbewegung verfochten trotz ihrer verschiedenen gesamtgesellschaftlichen Konzeptionen auch gleiche Ziele: Sie setzten sich für die politische Gleichberechtigung, für die Forderung nach gleichem Lohn bei gleicher Arbeit, für bessere Arbeitsbedingungen, für den Mutterschutz, für die privatrechtliche Gleichstellung, für gleiche Bildungschancen und für das Recht auf Erwerbsarbeit ein. Die Forderung nach Recht auf Arbeit seitens der Frauen verschärfte auf allen Ebenen die Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt.

Ihre Prioritäten in den Agitationen setzten die bürgerliche und die proletarische Frauenbewegung unterschiedlich. Die bürgerliche Frauenbewegung hatte sich vor allem in der Bildungsfrage engagiert und hoffte ferner, durch Bewährung und Pflichterfüllung zu Rechten zu gelangen. Das Wahlrecht forderte sie nur zaghaft. Die proletarische Frauenbewegung konzentrierte ihre Arbeit auf die Gebiete der Sozialpolitik, des Wahlrechts und der Massengewinnung für die proletarische Bewegung. 4) Als oberstes Ziel galt hier: den Arbeiterinnen Einsicht in ihre Klassenlage zu vermitteln, ein Klassenbewußtsein zu schaffen, das nach gesamtgesellschaftlicher Veränderung drängt. Clara Zetkin schreibt wörtlich: „Als Frauen-befreiende Kraft wird der Sieg der Revolution auch das Werk der kommunistischen Frauenbewegung sein.

1949: Gründung des deutschen Frauenrats

Neue Frauenbewegung

Beginn: Studentenbewegung in den 1967/1968 er

1971: Der Kampf um die Abschaffung des „Abtreibungsparagraphen 218“ beginnt

 1976: trat dann schließlich die Indikationslösung in Kraft (im Bezug auf den Paragraphen)

1977: Frauenzeitschrift Emma wird herausgebracht

Und heute?

Barbara Sommerhoff bewertet die Lage so: „Knapp 30 Jahre später sind die Ziele längst nicht erreicht. Trotzdem ist von einer organisierten Bewegung derzeit nicht viel zu bemerken. Im Zuge einer allgemeinen Individualisierung der Gesellschaft kämpfen auch Frauen nicht mehr geschlossen als Interessen-gruppe, sondern - wenn überhaupt - in Splittergruppen oder jede für sich an ihrem Arbeitsplatz oder in der Familie. Ein erheblicher Teil der Frauen in Deutschland erfüllt immer noch - oder schon wieder - die traditionelle Rollenerwartung, nach der mit der Geburt von Kindern der Beruf zumindest teilweise zurückzustehen habe."

Jedenfalls um eine Frauen-Bewegung handelt es sich noch immer. Denn eine „Bewegung" ist gekennzeichnet vom Willen zur Durchsetzung bestimmter Veränderungen und dem Nicht-Hinnehmen-Wollen uneingelöster Forderungen. Und dieses Prinzip ist unter den Frauen - von einer Minderheit abgesehen - unangefochten. Die Realisierung dieses Anspruches wird aber nicht zuletzt auch davon abhängig sein, inwieweit sich die Solidarität unter den Frauen als tragfähig erweist, gerade auch zwischen den west- und ostdeutschen, deren Lebensweg und Sozialisation in den vergangenen 40 Jahren so unterschiedlich verlaufen ist.