Zurück zur Startseite

Meldungen & Presse

20. April 2018 Meldung, KV Heilbronn

Rosa-Luxemburg-Club diskutiert Chinas Aufstieg

Mehr von Dr. Adolphi unter asiaticus.de

China stiegt in der Weltwirtschaft zu einem Hauptakteuer auf und gilt vielerorts als Bedrohung. Doch was steckt hinter dem Aufstieg und was ist daran so bedrohlich? Diesen Fragen wollte der Heilbronner Rosa-Luxemburg-Club nachgehen und veranstaltete dafür eine Seminarreihe und am 19. April eine öffentliche Abendveranstaltung mit dem Chinakenner Dr. Wolfram Adolphi aus Potsdam. Adolphi, der 1978 zum ersten Mal in China war und später u.a. als Korrespondent einer ostdeutschen Zeitung in Japan arbeitete, kann dabei auf eine lebenslange Auseinandersetzung mit dem "Reich der Mitte" verweisen. In Heilbronn vermittelte er dies auf eine kurzweilige und faktenreiche Art und Weise.

Der Sinologe begann mit der Geschichte Chinas, die viele tausende Jahre alt ist und in der China lange Zeit eines der bedeutensten Länder der Erde war. Um die letzte Jahrtausendwende wurde es dann von ausländischen Mächten beherrscht, die in China nicht viel mehr als eine Kolonie sahen. Neben Japan beteiligten sich auch England, Frankreich, Deutschland, das zaristische Russland und die USA an der Ausbeutung. Bekannt wurden hierzulande der Boxeraufstand 1900/1901, welcher mit deutschen Truppen zerschlagen wurde. Während des Zweiten Weltkriegs eroberte Japan weite Teile Chinas und führte eine Schreckensherrschaft ein. Aus dem Widerstand gegen Japan entwicklte sich die KP Chinas unter der Führung Mao Tsetungs. Für viele Chinesen ist diese Befreiung und Wiederherstellung der nationalen Souveränität eine wichtige Errungenschaft der kommunistischen Bewegung. China als landwirtschaftlich geprägter Staat konnte allerdings seine allgemeine Armut lange Zeit nicht überwinden. Das änderte sich mit den Wirtschaftsreformen unter Maos Nachfolger Deng Xiaoping ab 1978. Wirtschaftliche Eigeninitiative wurde zugelassen, dadurch konnten sich die Produktivkräfte Chinas entwicklen. Diese Entwicklung hat sich bis heute in einem gigantischen Maße fortgesetzt. In dem unter der kommunistischen Partei bestehenden "Sozialismus chinesischer Prägung" gibt es kapitalistische Produktion, es entstand individueller Reichtum. Versucht wird aber, an dieser Entwicklung alle Bevölkerungsschichten teilhaben zu lassen. Die Staatsführung setzt die Rahmenbedingungen für die kapitalistische Produktion. Die Zukunftsplanung wird von der Regierung vorgegeben. So hat z.B. die massive Zuwanderung in die Städte keine Slumbildung hervorgebracht, wie dies in anderen Ländern verbreitet ist.Die Entwicklungen in China sind ohne eine Vorstellung ihrer Dimensionen nicht zu verstehen. Seit 1950 ist die Bevölkerung auf das Dreifache angewachsen, Megastädte mit bis zu 35 Millionen Einwohnern sind entstanden. Hunderte Millionen Menschen sind vom Land in die Stadt abgewandert, mit allen, auch kulturellen Problemen und Verwerfungen. Das Ziel der Regierung ist es, in den nächsten Jahren einen bescheidenen Wohlstand für alle zu schaffen. Tatsächlich wurden seit der Gründung der Volksrepublik hunderte Millionen Menschen bereits aus der Armut befreit - eine Entwicklung, die anderswo in diesem Maße nicht stattgefunden hat.Auf die Frage nach der Teilhabe der Menschen an der Ausrichtung der Politik beschrieb Adolphi eine Zunahme von Bürgerinitiativen, die Forderungen selbstbewußt stellen. Diskussionen über Probleme und die zukünftige Entwicklung finden in China statt. Es gibt in China starke Gewerkschaften und mehr Streiks als in jedem anderen Land. Den Beschluss, dass Staatpräsident Xi Jingping zukünftig auch nach seiner zweiten Amtsperiode zum Staatspräsidenten wiedergewählt werden kann, wobei kein Automatismus besteht, ist nach Einschätzung des Referenten keine chinesische Besonderheit. 

Adolphi warb in Heilbronn darum, die chinesische Entwicklung mit Neugier zu betrachten. Und er warb dafür, gemeinsam an die globalen Menschheitsprobleme heranzugehen. Sorge bereiten ihm bei dieser Vorstellung weniger die Chinesen als die NATO-Staaten, die in China lieber einen Feind sehen, mit dem es zu konkurrieren oder den es zu bekämpfen gilt.